Eine Woche, drei Stürme. Alles ertragen, um die perfekten Bilder von den Lofoten zu schießen.
Hinter dem Objektiv
Fotograf Stian Klo ist gerade von seiner letzten Fotoreise nach Hause gekommen, als er sich hinsetzt, um über seine Leidenschaft für die Fotografie zu sprechen.
- Ich glaube, ich opfere viel für die perfekte Aufnahme. Die besten Bilder werden selten an Tagen mit klarem, blauen Himmel aufgenommen. Meine letzte Reise war wettermäßig ein bisschen zu rau, aber das hat mir einige sehr schöne Aufnahmen beschert, sagt Stian.
Seine jüngsten Bilder der Lofoten fügen sich perfekt in seine bereits riesige Fotosammlung. Der Stil, in dem er die arktischen Landschaften bildlich eingefangen hat, brachte ihm bislang über 230.000 (und es werden immer mehr) Follower auf Instagram und – noch beeindruckender – einen Job bei Lonely Planet. Aber seine Liebe zur Natur begann schon vor langer Zeit. Genauer gesagt vor 37 Jahren, in der norwegischen Stadt Harstad. Der Ort, an dem sich die nord- und südgehenden Hurtigruten Schiffe jeden Morgen treffen und der Ort, an dem Stian aufwuchs.
- Ich habe meine Kindheit mit der Natur als Spielplatz verbracht. Wir hatten den Ozean auf der einen Seite des Hauses und den Wald auf der anderen. Aber erst als ich wegzog wurde mir klar, wie unglaublich toll meine Erziehung war. Die Tatsache, dass ich die Natur direkt vor meiner Tür hatte, war definitiv eine große Inspiration für mich.




Alles begann draußen
Nachdem Stian seine ersten zwanzig Lebensjahre in Oslo verbracht hatte, beschloss er, nach Harstad zurückzukehren. Hier kaufte er seine erste Kamera – eine Canon EOS 600D – und brachte sich autodidaktisch das Fotografieren bei, indem er unzählige Stunden in Blogs, YouTube-Tutorials, E-Books und verschiedenen Online-Foren surft. Aber das Allerwichtigste, was er tat, war, nach draußen zu treten.
- Ich ging hinaus und experimentierte. Ich hatte keinen eigenen Fotostil. Ich habe einfach Fotos von allem Möglichen gemacht. Es dauerte eine Weile bis ich erkannte, was mich wirklich inspirierte: Die Natur.
Ab dann ging alles bergauf. Buchstäblich. Die Hügel hinauf, in Fjorde, hinaus auf die See – die wunderschöne Natur der Arktis auf Fotos festhaltend. Zum Glück bringt es ihm Spaß, ein paar einfache Tipps zu geben, wenn man eine Kamera zum ersten Mal in der Hand hält.
- Achten Sie auf das Licht und positionieren Sie sich nach Lichteinfall. Die Sonne im Rücken zu haben macht den Unterschied. Es lohnt sich nicht, nach Hause zu kommen mit Bildern, die durch Helligkeit ruiniert sind, sagt er.
Er bringt den Leuten auch bei, dass die Planung eines Bildes wichtig ist.
- Wählen Sie Ihre Komposition. Schauen und wählen Sie bewusst, was Sie im Bild festhalten wollen. Was sollen Ihre Fotos erzählen?
Geduld ist der Schlüssel
Stian selbst kann von der Komposition eines perfekten Fotos ganz besessen sein. Wenn er draußen ist und ein Motiv findet, behält er es im Hinterkopf und wartet ab, bis alle Elemente richtig zusammenspielen. Das Wetter, das Licht, die Bildidee: Alles muss perfekt für die Aufnahme sein.
- Ich habe tatsächlich ein Bild von einem Ort auf den Lofoten geplant, das ich noch nicht gemacht habe. Ich warte seit ganzen sechs Jahren auf den perfekten Moment, und ich warte immer noch. Eines Tages wird alles zusammenpassen, und dann wird es das Warten wert gewesen sein.
Mit anderen Worten, Geduld ist der Schlüssel. Auf einer Fahrt mit Hurtigruten haben Sie keine Jahre, um sich vorzubereiten, aber ein gutes Foto ist oft ein Ergebnis von Geduld.
- Viele meiner Bilder sind die Ergebnisse meiner langen Aufenthalte in der Natur. Man weiß es nie, plötzlich hat man das Motiv, auf das man gewartet hat – manchmal taucht ein ganz anderes auf. Jeder hat das Potenzial, gute Fotos mit nach Hause zubringen. Mit Geduld, Kreativität und Neugierde wird es klappen!
Muskelberge
Wenn Stian nicht auf eigene Faust fotografiert oder im Ausland arbeitet gibt er Foto-Workshops auf den Lofoten. Die Teilnehmer kommen aus aller Herren Länder und während er ihnen zeigt, wie man die arktischen Landschaften einfängt und sie dabei durch die spektakuläre norwegische Natur führt, kann er die Reaktionen der Menschen beobachten, wenn sie Norwegen zum ersten Mal erleben.
- Ich hatte einmal einen Schweizer in meinem Workshop, der an Berge und raue Natur gewöhnt war, aber trotzdem von der norwegischen Landschaft umgehauen wurde. Er sagte, es sehe aus, als hätte jemand die Alpen in den Ozean fallen lassen. Ein anderer Kunde von mir meinte, dass die Berge so aussehen wie auf Anabolika.
Ziemlich kühne Behauptungen, aber richtig laut Stian. Darüber befragt, warum er denkt, dass Fotografen aus der ganzen Welt sich nach Norwegen hingezogen fühlen, antwortet er begeistert.
- Hohe Berge, die in karibik-farbene Fjorde fallen, ist etwas, über das man niemals aufhört zu staunen. Fügen Sie das hiesige Wetter hinzu, und plötzlich haben Sie Fotos von vier verschiedenen Jahreszeiten in einer erstaunlich kurzen Zeit! Es gibt wirklich keine vergleichbare Gegend wie Nordnorwegen, sagt er.